Verleihung des Österreichischen Bauherrenpreises 2010 in Graz

Am Freitag dem 12. November wurde im MUMUTH (Haus für Musik und Musiktheater) Graz der wohl sympathischste heimische Preis für Architektur, der Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs verliehen. Dieser undotierte Preis würdigt in erster Linie die herausragende Zusammenarbeit zwischen Bauherren und Architekten, die qualitätsvolle Architektur hervorbringt. Deren besonderes (menschliches) Verhältnis zueinander war auf dem Podium noch unmittelbar spür- und (be)greifbar. Die Entscheidung der Hauptjury – Maria Auböck, Otto Kapfinger, Andreas Meck und Gerhard Mitterberger – ist eindrucksvoll und nachvollziehbar und das nicht zuletzt durch die, von Maria Auböck und Gerhard Mitterberger vorgetragenen, persönlichen Eindrücke ihrer rund 2400 km langen, marathonverdächtigen Busreise, die vier Tage lang, quer durch Österreich, zu den 32 nominierten Projekten und deren Auftraggebern führte.

Sowohl bei den Nominierungen als auch bei den sechs Preisträgern überwog auch in diesem Jahr wieder die öffentliche Bauherrenschaft. So findet sich unter den Preisträgern nur ein privates Projekt: Das Weingut Claus Preisinger in Gols (Burgenland). Der junge, architekturaffine Weinbauer findet seine Wünsche und Ideen im Entwurf des Architektenteams propeller z, welches im Ort bereits andere Bauvorhaben realisiert hat, entsprechend umgesetzt. Schon nach der ersten Begegnung mit den Architekten war klar, dass sie für die Bauaufgabe in Frage kommen. Die ausgewogene Win-Win-Situation zwischen dem Bauherren und den Planern war dann auch ausschlaggebend für die Preisvergabe. Das Wirtschaftsgebäude fügt sich derart gut in die Weltkulturerbe-Landschaft des Neusiedlersees ein, dass die Juroren Schwierigkeiten hatten, es zu entdecken. Das Bauwerk kann jederzeit gegen Voranmeldung besichtigt werden – am Besten den Briefträger nach dem Weg fragen!

Für den Architekturtourismus gerüstet zeigt sich auch die kleine Gemeinde Eichberg nördlich von Hartberg (Steiermark). Sie kann nun endlich mit einer Sehenswürdigkeit aufwarten – der Überdachung des Römersteins von Architekt Klaus Kada. „Die Aufstellung der Finanzierung für das „Minimuseum“ durch private und öffentliche Förderungen dauerte rund 20 Jahre“, erzählte der sichtlich stolze und gerührte Bürgermeister, Peter Uhl. Mit dem Preis wurden vor allem die herausragenden Bemühungen um hervorragende Baukultur und die positive Resonanz der Bevölkerung von Eichberg auf die moderne Architektursprache gewürdigt.

Ebenfalls durch das besondere Engagement der politisch Verantwortlichen tut sich der Zu- und Umbau des Marktgemeindeamtes Ottensheim von SUE Architekten, nordwestlich von Linz (Oberösterreich) hervor. Seit 2003 stellt die unabhängige Bürgerliste „pro O.“ die durch direkte Stimmenabgabe gewählte Bürgermeisterin, Ulrike Böker. Seit damals hat sich der gelebte politische Alltag in Richtung mehr Bürgernähe und Offenheit gewandelt – eine Tatsache die sich 1:1 im neu gestalteten Gemeindeamt widerspiegelt. Das Projekt besticht, wie es Otto Kapfinger im Juryprotokoll noch treffender formulierte, durch „eine authentische Union von politischem und planerischem Engagement“.

Durch den Mut zu etwas „mehr“ zeichnet sich der Preisträger, die Genossenschaft „Neues Leben“ aus. Der Wohnbau „Die Bremer Stadtmusikanten“ von ARTEC Architekten, der sich in der an sich schon sehenswerten Tokiostraße in Wien befindet, zeigt, dass der geförderte Wohnbau weit mehr bieten kann als reines Wohnen. Kleingärten und Swimmingpool am Dach, eine lichte Erschließungshalle, großzügige interne Erschließungsflächen zur Aneignung sind nur einige Features, die den Mehrwert dieses Gebäudes ausmachen. Auf Nachahmung darf gehofft werden.

Vorbildhaft sind die Wettbewerbsausschreibungen der BIG Bundes Immobilien Gesellschaft. Im Fall der Universitäts- und Landesbibliothek in Innsbruck (Tirol) von Dietmar Rossmann und Eck & Reiter Architekten ging man einen Schritt weiter, indem beim Hearing die Möglichkeit eingeräumt wurde, auch einen anderen Lösungsansatz als jenen in den Vorgaben der Ausschreibung zu verfolgen, der siegreiche wurde schließlich auch mit Begeisterung umgesetzt.

Die Entstehungsgeschichte der Tourismusschule Bad Hofgastein (Salzburg) von fasch & fuchs. veranschaulicht, wie die anfängliche Skepsis des Bauherrn, der Wirtschaftskammer Salzburg, die beim Hearing des Wettbewerbes durch die kritischen Fragen des Architektenteams entstanden war, schließlich in eine fruchtbare Zusammenarbeit mündete. Neben der Gebäudeplanung wurden fasch & fuchs. auch mit der Gestaltung der Möblierung für die Freiräume und Klassenzimmer beauftragt.

Hinsichtlich des Stellenwerts, den der älteste Architekturpreis Österreichs hat und seiner Bedeutung für die Architekturvermittlung, wäre eine stärkere politische Präsenz, wie dies in anderen Bundesländern durchaus üblich ist, an diesem Abend wünschenswert gewesen, auch in Person des steirischen Landeshauptmannes, Franz Voves. Kultur- und Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann regte die Verleihung des Bauherrenpreises jedenfalls dazu an, darüber nachzudenken, einen steirischen Preis, der Architektur und Wirtschaft miteinander verbindet, einzuführen.

Insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung, spritzig moderiert von Helmut Köpping und mit einer „punktgenauen“ musikalischen Live-Untermalung. Die angenehme Stimme aus dem Hintergrund – von Martin Brischnik, dem steirischen Präsidenten der ZV – führte schließlich zum geselligen Teil des Abends über, der bis in die frühen Morgenstunden andauerte.

Text – P. Kickenweitz, erschienen auf www.gat.st am 26.11.2010